In Kurzform:
Kostüme. Und alles, was es braucht, damit sie lange leben. Von der Idee, über Umsetzung und Premiere bis die Kostüme irgendwann so abgespielt sind, daß sie beim besten Willen nicht mehr einzusetzen sind.
Und für alle, die mehr wollen....
In Kostümabteilungen sorgt man nicht nur für alle Kostüme innerhalb einer Produktion, sondern auch alles, was mit Kostümen und der laufenden Abteilung zusammenhängt.
Häufig wird unsere Arbeit von Außenstehenden ausschließlich auf die Schneiderei beschränkt.Aber unsere Welt ist so viel größer, besteht aus verschiedensten Gewerken mit so vielen spannenden Berufen, ist voller wahnsinnig phantasievoller Köpfe mit einer unglaublichen Bandbreite an Fähigkeiten und Talenten.
Man sieht das Ergebnis unserer Arbeit, aber der oft langwierige Prozeß bis zur Premiere und darüber hinaus bleibt meist verborgen und wird oft nicht verraten.
Aber wir sind hier, um genau das zu tun - zu zeigen, wie alle mit Hingabe, Leidenschaft und geradezu verschwenderischer Sorgfalt tüfteln, organisieren, umsetzen, bearbeiten und pflegen...
Auch wenn man das, was beim Austüfteln in den Köpfen passiert, nur schwer sichtbar machen kann.
Jede Kostümabteilung ist anders - auch wenn sie sich von Außen betrachtet gleichen.

Und das nicht nur abhängig vom Gebäude. Strukturen entwickeln sich überall anders, verändern sich durch Entscheidungen der Abteilung, des Hauses oder der Politik.
Aus letzterem Grund wurden in Berlin die hauseigenen und über Jahrzehnte gewachsenen Werkstätten zu einer großen Zentralwerkstatt, dem Bühnenservice, zusammengefaßt.
Aber trotz der Zusammenfügung der 3 Opern innerhalb der "Stiftung Oper in Berlin" sind ihre Varianten und Nuancen innerhalb der Abteilungen erhalten geblieben und entwickeln sich unabhängig voneinander weiter.

Ein keiner Rundgang macht es verständlicher
In der Kostümabteilung der Komischen Oper haben wir festangestellte stückführende Kostümbildassistentinnen - verantwortlich für die gesamte Produktion einer neuen Inszenierung - von der Figurinenübergabe, der Planung und Organisation inklusive der Anproben, mit Budgetverantwortung für die Produktion, der kompletten Dokumentation bis zur Übergabe an die Ankleider zu Endproben und Premiere.
Wegen dieses großen Verantwortungsbereichs sind sie vergleichbar mit Produktionsleitern, weshalb sie an anderen Häusern auch Projektleiter, Produktionsassistenten u.a. genannt werden.
Wenn dann der Spielplan viel größer ist, als es die bestehende Abteilung leisten kann (was in den letzten Jahren häufiger vorkommt), holt man sich Gastassistenten dazu.
Unterstützung bekommen sie von den Einkäuferinnen. Sie recherchieren, bestellen oder schicken zurück, kaufen ein und bearbeiten die Rechnungen, kümmern sich um die Musterkataloge und halten den Kontakt zu Lieferfirmen und Großhändlern.
Für Neuanfertigungen und Bearbeitungen arbeiten wir mit dem Bühnenservice zusammen, teilweise fertigt aber auch unsere Präsenzwerkstatt und wenn alle Kapazitäten zusammen noch immer nicht reichen, kommen externe Werkstätten dazu.
Und auch diese Koordination der verschiedensten Werkstätten und Zulieferer liegt bei uns in den Händen der jeweiligen Kostümbildassistenz.
Wenn dann das meiste schon fertig ist - und wegen der notwendigen Vorlaufzeit auch sein sollte - gewöhnlich 6 Wochen vor der Premiere - beginnen die Proben.
Da die stückführenden Kostümbildassistentinnen bei all der Organisation keine Zeit mehr haben, sich um die Proben zu kümmern, geschweige denn alles so zu verfolgen, um ein sinnvolles Szenarium zu erstellen, gibt es hier eine Kostüm-Probenassistenz.
Sind dann endlich alle Einzelteile im Haus und von der Kostümbildassistenz pro Person und Rolle zusammengestellt, übergibt sie alles kurz vor der Klavierhauptprobe an die Ankleider.
Während die Endproben noch gemeinsam durchgestanden werden, bis alles so ist, wie von Kostümbildnerin und Regie gewünscht, sind die Ankleider ab der Premiere für die Produktion verantwortlich -
dafür, daß alle Kostüme im richtigen Moment vollständig und an richtiger Stelle, dem richtigen Sänger, gereinigt, repariert und idealerweise in der 100.Vorstellung noch wie zur Premiere sind.
Und immer wieder wird alles nach den Unterlagen zusammengestellt, manchmal auch verliehen oder zum Gastspiel vorausgeschickt.
Bisher haben wir nur den Ablauf einer Produktion betrachtet - für die gesamte Planung, Koordination, Stunden- und Budgetverantwortung der gesamten Spielzeit, Personal, Strukturen und Entwicklung der Abteilung gibt es die Kostümdirektion - in der Komischen Oper "Leitung des Kostümwesens" genannt, die Maske ist hier eine eigene Abteilung.
Da bei uns dazu der Alltag noch so viel mehr mit sich bringt - aufräumen, wegsortieren, den Fundus verwalten und pflegen, Sonderveranstaltungen wie Kostümverkauf und Spielzeiteröffnungsfest organisieren und mit betreuen - gibt es für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ihre eigentliche Stellenbeschreibung hinaus einiges mehr zu tun. Und jede Spielzeit birgt da ihre Überraschungen...
Kein Tag gleicht dem anderen - eben unser Alltag in der Kostümabteilung.
Dieser Artikel hat nur Platz für einen kleinen Einblick in unseren Alltag.
Aber es gibt mehr - in Führungen, Workshops und bald auch per Buch.
Sie erreichen uns per Mail!







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