Früher waren Säume für mich immer mit einem Lineal oder Stab mit Markierung verbunden, angezeichnet mit Schneiderkreide und dann mit Nadeln oder Faden für die Arbeit fixiert, bevor die Kreide beim Arbeiten verschwinden kann.
Meist fand ich mich dann auf dem Arbeitstisch meiner Mutter in Luftiger Höhe wieder, damit sie besser abrunden konnte, ohne auf der Erde herumzukriechen.
Das funktionierte aber nur, weil meine Mutter damals nur noch für mich - oder ich für sie - Röcke abrundete. Im täglichen Werkstattalltag hätte auch sie wahrscheinlich zum Rockabrunder gegriffen.
wie sieht der Rockabrunder nun aus?
Eigentlich ein simples Werkzeug. Eine lange Stange auf einem feststehenden Fuß, woran eine stufenlos verschiebbare Zerstäuberdose mit schlitzförmigem Auslaß für das Kreidepulver befestigt ist, welches man mittels eines Blasebalgs ( in Form eines Gummiballs am Gummischlauch) auf den Stoff bläst.
wie kommt man nun zur gerade Markierung?
Zuerst sollte man sich darüber im Klaren werden, wie lang der Saum nun werden soll ( um das herauszufinden hilft u.a. umstecken... - was dann hoffentlich nicht all zu oft vorm Spiegel in der Anprobe wiederholt werden muß).
Hat man (in diesem Fall Kostümbildner oder Kostümbildnerin) sich nun festgelegt, stellt man (in diesem Fall die Gewandmeister) den gewünschten Bodenabstand ein, der Rockabrunder wird neben der Person mit dem abzurundenden Saum platziert - die sich nun Schritt für Schritt langsam um die eigene Achse dreht.
Manch ein Rockabrunder hat Rollfüße - dann könnte auch dieser um das "abzurundende Objekt" herumfahren - was in der Anprobe eher nicht praktikabel ist.
Bitte nicht zu weit vom Rock entfernen, sonst entsteht statt einer Linie nur noch eine Kreidewolke.
Der Blasebalg wird gedrückt, die Kreide wird durch den Schlitz auf den Rock gepustet und
Voila! - der Saum ist markiert...
was zu bedenken wäre
Zu bedenken ist an dieser Stelle nur - bevor die Kreide beim Arbeiten zu früh wieder verschwindet (wobei das Verschwinden ja der Vorteil der Kreide ist) - sollte man die Markierung bald mit Nadeln oder besser einem Heftfaden festhalten.
Und - diese Linie ist das optische Ende - an die Nahtzugabe denken, sonst ist er zwar gerade, aber zu kurz...
Ist die gewünschte Saumlinie sehr nah am Boden - steht ein kleiner Holztritt zur Verfügung - ein schlichter Holzkasten.
Doch Achtung! Beim Drehen nicht vom Tritt abkommen.
Und hier kommt auch schon die zweite Herausforderung für das Model...
Haltung bewahren! sich nicht vorbeugen, um an sich herunter zu schauen, auch nicht, wohin man tritt - ein prinzipielles Problem für ungeübte "Anprobierer".
Sonst ist der Saum doch wieder schief...
Der Kreidepuster war jedenfalls von Anfang an ein Erfolg und hat sich in Form und Funktion nicht geändert.
Auch wenn sich im Laufe der Zeit noch 2 Varianten entwickelt haben:
anstatt des Kreidegebläses ein Klappmechanismus, der wie bei Lineal und Stock als Markierung zum Abstecken fungiert -
oder der Fadomat, der mit einer Fadenschlinge die Linie markiert.
Aber dies nur nebenbei - wir bleiben bei der Kreide...




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